27 May 2026
Prognosemärkte trotz Verbot: Wetten auf deutsche Landtagswahlen 2026

Plattformen wie Polymarket und Kalshi ermöglichen derzeit Wetten auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin sowie Mecklenburg-Vorpommern, die für September 2026 angesetzt sind, und zwar obwohl solche Aktivitäten in Deutschland als illegal gelten. Nutzer können dort auch auf die Amtszeit von Bundeskanzler Friedrich Merz setzen, während die Anbieter als sogenannte Social-Betting-Märkte auftreten, die über Kryptowährungen abgewickelt werden.
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat bereits im September eine klare Warnung herausgegeben, wonach Wetten auf politische Ereignisse außerhalb des Sports untersagt bleiben, weil Manipulationsrisiken bestehen. In den Monaten bis Mai 2026 zeigen Beobachtungen, dass die Plattformen weiterhin zugänglich sind und deutsche IP-Adressen zwar bei Zahlungen blockiert werden, doch alternative Zugangswege bestehen bleiben.
Rechtliche Grundlagen und behördliche Maßnahmen
Deutsches Glücksspielrecht erlaubt Wetten auf Sportereignisse unter strengen Auflagen, während gesellschaftliche oder politische Vorhersagemärkte explizit ausgeschlossen sind. Die GGL führt an, dass solche Märkte die Gefahr von Insider-Trading und gezielter Beeinflussung bergen, was demokratische Prozesse gefährden kann. Zahlreiche Nutzer greifen dennoch über VPN-Dienste oder ausländische Zahlungsmethoden auf die Angebote zu, und die Behörde verzeichnet steigende Meldungen über derartige Aktivitäten.
Technische Hürden bei der Durchsetzung
Obwohl Zahlungen über deutsche Bankverbindungen unterbunden werden, bleiben die Plattformen über dezentrale Technologien erreichbar. Experten berichten, dass die Anonymität von Kryptowährungen die Nachverfolgung einzelner Transaktionen erschwert, während die internationalen Betreiber außerhalb der deutschen Jurisdiktion operieren. In der Praxis führt dies dazu, dass Verbote zwar ausgesprochen werden, ihre Umsetzung jedoch auf technische und rechtliche Grenzen stößt.

Risiken für Integrität und Demokratie
Beobachter weisen darauf hin, dass Prognosemärkte Anreize für Marktmanipulation schaffen können, wenn Teilnehmer über interne Informationen verfügen oder gezielt Fehlinformationen streuen. Studien zu vergleichbaren Plattformen haben gezeigt, dass Volumina in Millionenhöhe erreicht werden und Preisbewegungen manchmal politische Narrative beeinflussen. Die GGL hebt in ihrer Stellungnahme hervor, dass solche Entwicklungen das Vertrauen in Wahlprozesse untergraben könnten, und verweist auf internationale Fälle, in denen ähnliche Märkte zu Ermittlungen führten.
Entwicklungen bis Mai 2026
Bis Mai 2026 hat sich gezeigt, dass die Nachfrage nach politischen Vorhersagen auf diesen Plattformen anhält, während parallel Diskussionen über mögliche regulatorische Anpassungen laufen. Deutsche Nutzer melden sich weiterhin an, und die Betreiber erweitern ihre Angebote um zusätzliche Kategorien wie Koalitionsbildungen oder Ministerposten. Gleichzeitig arbeiten Aufsichtsbehörden an internationalen Kooperationen, um den Zugriff auf solche Dienste weiter einzuschränken.
Internationale Vergleiche und Reaktionen
In anderen Ländern variiert der Umgang mit Prognosemärkten erheblich, wobei einige Jurisdiktionen Lizenzmodelle prüfen, während Deutschland strikt bei der Untersagung bleibt. Polymarket und Kalshi reagieren auf Anfragen mit Hinweisen auf ihre Sitzorte außerhalb der EU und betonen, dass sie lokale Gesetze respektieren, soweit technisch umsetzbar. Deutsche Medien berichten regelmäßig über die anhaltende Verfügbarkeit, und politische Akteure fordern verstärkte Aufklärungskampagnen.
Fazit
Die Situation zeigt, dass trotz klarer gesetzlicher Verbote und wiederholter Warnungen der GGL der Zugang zu illegalen Prognosemärkten für deutsche Nutzer weiterhin besteht. Die bevorstehenden Landtagswahlen 2026 werden voraussichtlich erneut als Wettthema dienen, und die Behörden arbeiten an verbesserten Kontrollmechanismen. Aktuelle Entwicklungen lassen erkennen, dass eine vollständige Unterbindung ohne internationale Abstimmung schwierig bleibt.